Rückblick auf das 2. Hüller JugendFilmFest (2008)
Das Hüller JugendFilmFest 2008 ließ sich - trotz des schlechten Osterwetters - niemand verhageln. 50 junge Filmerinnen und Filmer, 30 eingereichte Filme und ein volles Programm mit Filmvorführungen, Diskussionen, Workshops und Preisen für die besten Werke füllten das “Drehbuch” für drei Tage im ABC Bildungs- und Tagungszentrum sowie dem KunstRaum in Hüll.
Film ab. Die zweite Runde des Hüller JugendFilmFestes
Was wäre ein gutes Drehbuch ohne motivierte Akteure, knisternde Stimmung und dem gewissen Extra? “Die Atmosphäre war wieder einmal einmalig”, bestätigt ein Teilnehmer: “ich konnte in diesem Jahr vertraute Gesichter treffen und neue kennen lernen. Habe neues übers Filmemachen gelernt, schöne Filme gesehen, lustige Stunden gehabt!” Dabei sorgen insbesondere das abwechslungsreiche Programm und die zahlreichen Mitgestaltungsmöglichkeiten für den besonderen Flair des Filmfestes. Mitmachen statt nur zugucken war angesagt. Fast alle Teilnehmende waren selbst Filmschaffende und ob alte Schnitthasen oder Kamerafrischlinge, alle diskutierten zusammen und lernten voneinander; sei es bei der Besprechung der Filme, als auch bei den Workshops oder in den Pausen.
Rückblick auf das 2. Hüller JugendFilmFest. (Gehostet bei Vimeo.) Trailer von Wiebke Hansen.
Trickfilm & Schauspielerei - Die Festivalkurse
Bei zwei Workshops konnten frische Ideen und neue Techniken ausprobiert werden. So gab Julius Jensen Tipps für das Zusammenspiel von Schauspiel und Kamera, die sogleich mit erfundenden Szenen und nachgestellten Sequenzen aus “Star Wars” umgesetzt wurden. Mit dem Kurs “Der Trick mit dem Trickfilm” von Andreas Probst konnte man anschließend in einen ganz anderen Bereich eintauchen und Daumenkinos basteln, die eingescannt zu kleinen Animationsfilmen werden.
“And the Winner is…”
Drei Filme wurden von der Jury prämiert. Dabei gab es neben dem massiven “Hüller-Kameramännern” Geldpreise, die sicher für die Realisierung zukünftige Filmprojekte eine sinnvolle Verwendung finden werden. Platz eins ging an “Egotrip”, den Beitrag der Film AG des Gymnasiums Athenäum aus Stade (Anna Barnick, Elena Steinmetz, Johanna Ziesemer, Marvin Oehlking, Stefan Scharpen und Michel Diercks). Der siebenminütige Kurzfilm, der ganz ohne gesprochene Worte auskam, überzeugte durch Kameraführung, Bühnenbild, Musik und Mimik des Darstellers, der auf der Suche nach sich selbst hinter verschlossenen Türen verschiedene Facetten seines Ichs fand.
Jonas Brandau und Michel Diercks erhielten für “2 Minuten” den zweiten Platz. Mit seiner Story, in der der Protagonist durch einen absurd anmutenden und technisch brillianten Lauf durch Stade zu einem neuen Job kommt, parodiert der Film Actionstreifen und Bewerbungstests gleichermaßen.
Den dritten Platz erhielten Schülerinnen des Gymnasiums Bremervörde für ihren Film “Fassaden”, der an vier Beispielen einen Blick hinter die nach außen zur Schau gestellte heile Welt von vier Freundinnen wagte. Der Film war zwar technisch noch nicht ganz perfekt, was bei einem Erstlingswerk nicht verwunderlich ist, überzeugte die Jury jedoch durch seine Authentizität.
Aus allen gezeigten Filmen konnte das Publikum einen Film für den Publikumspreis auswählen. Dieser ging an den Film “Familien-Café”, den eine Gruppe der Schwinge-Werkstätten Stade im Rahmen einer Videowerkstatt in Hüll produziert hatte. Schließlich vergaben die Veranstalter noch drei Förderpreise an Erstlingsfilme. Viele der Teilnehmende kündigten bereits an, auch für das nächste Jahr neue Projekte zu verwirklichen.
Bleibende Eindrücke
Die Filme hinterließen oft nicht nur ein Lächeln auf dem Gesicht oder aber Eindrücke von schönen Aufnahmen und interessanten Geschichten, sondern gaben oft auch Anstoß zum Nachdenken. Dies gilt nicht zuletzt für den Dokumentarfilm “ungeduldig“, der die unmenschliche Behandlung von jungen MigrantInnen in der BRD schildert. Die Betroffenen schilderten in diesem informativen, bewegenden und gut umgesetzten Film ihre eigenen Erfahrungen. Das Publikum konnte anschließend mit Chander, einem der MacherInnen, reden und so den Horizont erweitern.
In Bewegung bleiben!
Bei dem Fest ging es nicht bloß ums Hinkommen, bewegte Bilder ansehen, Preise verleihen und wieder weggehen. Selbst etwas bewegen und sich weiter entwickeln ist ein Anliegen des Hüller JugendFilmFest. Und dass dies funktioniert, schildert Viviane, eine der filmmachenden Teilnehmerinnen: “Aus Bekanntschaften wurden Freundschaften, aus ‘Billardkameraden’ wurden Bekannte, Kurzfilme wurden zu Lieblingsfilm-Favoriten, die Ostertage zu einem fest verplanten ‘Filmemacher-Treff-Termin’ und Hüll zu dem Lieblings-Filmfest.”
Und nach bewegten Momenten, bewegenden Eindrücken, Osterfeuer, Eiersuche (als erfüllter Wunsch aus dem letzten Jahr!), viel Spaß und Inspiration bleibt eigentlich nur noch ein Schluss zu ziehen: Fortsetzung folgt!
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